Whiskey In The Jar


Xouay Xai, Luang Prabang, Phonsavan, Laos// 15. – 21. März 2012

Luang Prabang, Mekong Panorama, Laos

Grenzbeamte stempeln uns aus Thailand aus, mit Longtail-Booten werden wir über den Mekong gekarrt. Die Visa-on-arrival-Beschaffung für Laos verläuft mit Ausnahme eines chaotischen Ansteh- und Warteprozesses inklusive Wortgefechten mit überempfindlichen Kanadiern unbürokratisch. Wir sind in Laos! Sich ein teureres Visum im Voraus zu besorgen, hat sich für den Großteil unseres Busses nicht gelohnt, weil im Endeffekt eh alle auf uns warten mussten.

Visit Laos 2012Da unser Bootticket-Onkel unsere Gruppe noch zwei Stunden in verschiedenen Agenturen zum Warten auf Tickets verdammt, entern wir als letzte Passagiere das Slowboat und sollen in unmittelbarer Nachbarschaft des Maschinenraums Platz nehmen. Nein, Danke! Da quetschen wir uns lieber auf die vereinzelt noch herumstehenden Plastikstühle, lernen den Rest der entspannten Truppe kennen und bewundern die malerische Landschaft entlang des Mekongs am ersten unseres 2-Tages-Trips. Am Pier des Übernachtungsstopps Pakbeng begeben wir und das ebenfalls zu viert reisende Team Holland / Finnland uns in die Hände eines Schleppers, der uns mit günstigen Zimmern, kostenlosem Lao-Lao und anderen Touri-Lockmitteln in sein Guesthouse manövriert. Wir testen an (der Reis-Whisky ist nicht wirklich schlimmer als manch ein Klarer in der Heimat), verschieben Veras Geburtstagsfeierlichkeiten aber doch lieber auf den nächsten Tag, schließlich wollen wir schon um 8 Uhr wieder auf dem Boot sein, um uns bessere Plätze zu sichern. Klappt, und Bier wird ja schließlich auch auf dem Boot verkauft. Am späten Nachmittag des zweiten Tages erreichen wir endlich Luang Prabang. Von der kleinen Stadt (immerhin auf 700 Metern Höhe) an der Mündung des Nam Khan in den Mekong sind wir vom ersten Moment an begeistert. Die Altstadt – 1995 zum Weltkulturerbe erklärt – besteht aus vielen französischen Kolonialbauten, Tempeln und Cafés. Leckere Baguettes, frische Croissants und geniale Fruchtshakes gibt es an jeder Ecke. Auch in den zahlreichen Bars wie Utopia oder Lao Lao Garden lässt es sich aushalten.

Biking Luang Prabang

Mit Fahrrädern erkunden wir die touristische Halbinsel der alten Königsstadt. Beim gemeinnützigen Verein „Big Brother Mouse“ verpassen wir leider die Luang Prabang Nightmarket & Royal Palace AreaVorlesestunde, spenden aber Geld, das der Förderung der Lese- und Schreibfertigkeit der Bevölkerung zugute kommen soll. Wir überqueren den Nam Khan über eine wackelige Bambusbrücke und laufen durch den dörflicheren Teil der Stadt mit einigen Tempeln, aber ohne Touristen. Zum Sonnenuntergang erklimmen wir den Tempelberg Phou Si mit toller Aussicht auf Altstadt, Tempel, Königspalast und Mekong. Zum Glück sind wir schon da, bevor die Horden einfallen und sichern uns einen guten Platz. Beim Roten Kreuz gönnen wir uns für 4 Euro eine Lao-Massage – schmerzhaft, aber gut. Abends lassen wir uns über den überschaubaren, aber schönen Nachtmarkt treiben und kehren mit vollen Tüten zum Guesthouse zurück.

Pak Ou, Buddha Cave, Luang Prabang, Laos

Am nächsten Tag fahren wir mit einem Tuktuk zu den berühmten Höhlen von Pak Ou. Monkeyroping @ Kuang Si Waterfall, Luang Prabang, LaosIn einer Kalksteinklippe über dem Mekong befinden sich unzählige Buddha-Statuen. Im Whiskey-Dorf Ban Xang Hai probieren wir anschließend Lao-Lao und Reiswein. Nach einem kurzen Stopp in Luang Prabang lassen wir uns zu den tollen Wasserfällen von Kuang Si bringen. Gleich mehrere Becken laden zum Baden ein. Mit einem Tarzanseil lassen wir uns ins erfrischende Nass fallen. Im angeschlossenen Bear Rescue Center leben faule Malaienbären, die Bambus futternd in der Hängematte schaukeln.

Bei einem Online-Blick aufs Konto bekommen wir später einen derben Schock: Irgendwelche Pisser räumen gerade von den Philippinen aus Veras Konto leer!!! Das dürfen nur wir und da wollen wir erst noch hin! Nach Anrufen beim durchaus kompetenten comdirect-Service und deren Security-Firma ATOS sinkt die Panik auf ein Nullniveau, da sich die Rücküberweisung als schnell und problemlos erweist und eine neue Kreditkarte von Ines, die mit uns durch Kambodscha & Vietnam reisen wird, mitgebracht werden kann.

Während die meisten Reisenden den Minivan in die Partyhochburg Vang Vieng nehmen, entscheiden wir uns noch für einen weiteren Stopp in Phonsavan. Die Fahrt geht voll auf den Magen und quasi jedem im Bus ist schlecht. Michi und Vera schaffen es aber trotz Serpentinen-Geschaukel, zu schlafen. Wir sind froh, als die Tortur endlich vorbei ist und wir ins Guesthouse mit dem netten Namen „Nice“ einchecken. Phonsavan ist der Ausgangspunkt für Touren zur Ponsavan, Plain Of Jars, Jar Site ITonebene, der Plain of Jars. Da der Ort nicht gerade vor Touristen wimmelt, organisieren wir mit Koen aus den Niederlanden und Sonja aus Augsburg, die wir auf der Hinfahrt kennengelernt haben, kurzerhand unsere eigene Tour für den nächsten Tag. Beim gemeinsamen Abendessen beim Inder stimmen wir das Programm ab. Nach einem Abstecher ins Infozentrum der Stadt fahren wir zunächst zur Plain of Jar Site 1 heraus. Die Tonkrüge, die bis zu 2000 Jahre alt sein sollen, sind auf einem riesigen Feld verteilt. Laut einer Legende bestehen die Krüge aus einer Mischung aus Büffelhaut, Sand, Wasser und Zuckerrohr und dienten als Gefäße für die Partys gigantischer Fabelwesen nach ihren erfolgreichen Schlachten (äääh, ja..). In Wirklichkeit bestehen die Krüge aus sandsteinähnlichen Molassesedimenten & Granit, Herkunft und Nutzen sind bis heute nicht eindeutig geklärt.

Bombcrater, Plain Of Jars, Laos

UXO, Plain Of Jars,Doch Phonsavan hat viel mehr zu bieten als nur die Ebene der Tonkrüge und so verbringen wir den restlichen Tag an Schauplätzen des Secret Wars, den die
Amerikaner zwischen 1964 und 1973 führten, aber erst 1997 offiziell zugaben. Wir sehen gigantische Bombenkrater, besuchen Dörfer, in denen alte Trägerbomben als Blumenkästen oder Struktur fürs Haus genutzt werden und wandern zu einer Höhle, in der 1968 mehr als dreihundert Menschen starben, als eine Rakete Haus auf "Streubomben-Stelzen", Plain Of Jarshineingefeuert wurde. Auch wir müssen bei jedem Schritt darauf achten, wohin wir treten, denn die Gegend um Phonsavan ist immer noch voller Minen. Unzählige Blindgänger liegen in Reisfeldern, unter Häusern, überall! Jedes Jahr sterben noch immer 30 bis 60 Menschen durch eben diese Blindgänger (unexploded ordnance – UXO). Vor allem Kinder spielen mit den Bombies, den Streubomben, die für sie wie harmlose Bälle aussehen. Im Infocenter der Mines Advisory Group (MAG) sind wir schockiert, als wir lesen, dass alleine im Februar 2012 noch über 2300 Bomben entschärft wurden. Die britische Firma ist seit 1992 bemüht, die Gegend von Minen und Blindgängern zu befreien und lebt von Spenden, die wir gerne geben.

MAG (Mine Advisory Group) Center, Ponsavan

Der Schlenker nach Phonsavan lohnt sich definitiv, da er einem die nicht allzu ferne historische Vergangenheit dieses Landes eindringlich vor Augen führt. Dass Laos auf tragische Weise in den Vietnamkrieg involviert (Nordvietnam nutzte das Land als Nachschubroute für die im Süden agierenden „Befreiungskrieger“,  die USA bombadierten eben jenen Ho-Chi-Minh-Trail oder entledigten sich einfach übrig gebliebener Bomben auf ihrem Nachhauseweg nach Thailand) und somit zum meist bebombten Land der Welt verdammt wurde, ist ein gerne überlesener bzw. sogar verschwiegener Fakt.

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