Auf dem Salkantay Trail nach Machu Picchu wandern

Blick auf Machu Picchu und Huayna Picchu vom Wachhaus

Du willst nach Machu Picchu wandern? Im Vergleich zum oft ausgebuchten Inca Trail ist der Salkantay Trail eine günstigere, spontan buchbare und mindestens genauso beeindruckende Variante, um nach Machu Picchu zu kommen.

And You Will Know Us By The Trail Of Wet

Cusco, Salkantay Trail, Machu Picchu – Peru
4. – 11. Mai 2011

 Machu Picchu

Am CIAL-Terminal in Cusco lassen wir uns wieder einmal von Hostalschergen abschleppen, das El Arcano in San Blas erweist sich als ganz okay. Wir frühstücken hervorragende Schoko-Croissants und andere Leckereien in der Panaderia El Buen Pastor.

Preise für Machu Picchu Wanderung in Cusco verhandeln

Wir machen einen Rundgang durch Südamerikas Gringo-Hangout No. 1 und checken mehrere Companies nach Angeboten für den Salkantay-Trail. Abends gibt’s Veggie-Bolognese (bäh!) und Soja-Burger (Daumen hoch) im El Encuentro.
Nach dem Multikulti-Frühstück beim Israeli (absolute Empfehlung aufgrund Preis, Menge & Qualität, vom Plaza de Armas letzter Eingang links auf der Calle Procuadores) klappern wir zusammen mit Morten & Andrea noch einmal die Agenturen ab. Die Vikingos kommen mit der vielversprechenden Option eines Extra-Treks nach Llactapata um die Ecke. Nachdem wir uns mit einem Anbieter so gut wie einig sind und bereits die Dollar abgehoben haben, holt der Agenturfuzzi den Taschenrechner raus und will aus heiterem Himmel noch ein paar Extra-Gebühren hinzuerfinden, wir verlassend mit erhobenem Mittelfinger die Kaschemme. Ricardo von Andean Luxury Travel (zweiter Stock, Hiking Peru-Schild am Plaza de Armas) hingegen macht uns einen vernünftigen Preis (180$) für den fünftägigen Trip über den Salkantay-Pass nach Machu Picchu inklusive Llactapata. Wir schlagen ein. Danach geht es bergauf zum San Cristóbal-Ausguck gegenüber der Inka-Ruinen von Sacsayhumán (Gringo-Sprech: Sexy Woman). Im Supermarkt stocken wir an Ausrüstung für den Trail (Kopflampenbatterien, Flaschenhalter im Inca-Design, Regenhose, Snacks, Coca-Bonbons) auf und lassen unserem bolivianischem Super-Handy, welches sich urplötzlich nicht mehr laden lassen will, von einem Movistar-Angestellten mit Geduld, einem Draht und Spucke (er leckt an der Batterie, es hilft) wieder Leben einhauchen. Wir packen mal wieder um (5kg Rucksack für das Lastpferd, ähnlich viel für Lastesel Henning) und kehren zum Israeli für ein 10-Soles-Falafel-Menü zurück.
Mal wieder geht es zu unwirklicher Zeit mitten in der Nacht los. Um 4 Uhr laufen wir mit einem Schlepper der Agentur durch die halbe Stadt, um Cusco eine dreiviertel Stunde später ganz in der Nähe unseres Hostels in einem Bus voll mit Trekkern zu verlassen. Nach dem Frühstück (Milchpulver für den Kaffee kostet 2 Soles extra) in Mollepata erstehen wir Koka-Blätter und Wanderstöcke (5 Soles, unbedingt machen, weil hilfreich auf dem Trek), beladen die Pferde und machen uns in der 19köpfigen-Gruppe auf den Weg. Nach ein paar Stunden leichteren Wanderns lernen sich die internationale Truppe (Israel (6), Dänemark, Schweiz, Holland, USofA, Deutschland (alle 2), Chile, Canada & Österreich (je1)) sowie die beiden Guides Nico und Jose sowie eine Handvoll Horsemen & Köche beim Lunch kennen. Der Aufwärmtag endet mit einem dreistündigen Marsch zum Fuße des Salkantay, wo unser Camp bereits aufgeschlagen steht. Wir schlafen in Zelten in einem großen Zelt, Schlafsackquerelen werden behoben. Die Nacht wird für alle kurz, da die ungemeine Kälte durch die bolsas de dormir und in die Knochen zieht.


Salkantay Trail nach Machu PicchuMit Kakao, Pancakes und Mate de Coca gibt es Frühstück im Zelt, danach heißt es Zusammenpacken für den steilen Aufstieg über den Salkantay-Pass (4800m). Jeder findet jetzt sein eigenes Tempo, die Guides gucken nicht schlecht, als Vera als eine der Ersten auf der Bergkuppe erscheint. Bei eisigem Wind bewundern wir den schneebedeckten Berg, machen Gruppenfotos und Nico prügelt uns Inka-Historie ein. Bergab geht es zügiger, die Vegetation wird grüner, nach dem Lunch schlafen viele in der Sonne ein. Nachmittags geht es drei Stunden in ein kleines Andendorf, wo wir wohlverdientes Bier bei der rechenstarken 10-jährigen Verkäuferin erstehen und ein paar Wagemutige auf einem Platz voller tödlicher Löcher und Felsformationen Fußball gegen höhenerprobte Köche, Guides & Horsemen bis in die komplette Dunkelheit spielen.
Tag 3 ist das angekündigte Kinderspiel. Entlang der Schotterpiste fühlt man sich wie auf dem (zugegebenermaßen weiten) Weg zum Supermarkt. In immer neuen Gruppen werden die vier Stunden nach La Playa inklusive Erfrischungsstopp an einem Wasserfall verquatscht. Von La Playa werden wir mit Minibussen nach Santa Teresa gekarrt, genau bei Ankunft werden zwei Rinder am Straßenrand geschlachtet. Ein Anblick, der vielen in Erinnerung bleiben wird. Den Nachmittag haben wir frei (Bier!), nach dem Abendessen organisieren wir mit Nico einen Fahrer für unsere Extratour nach Llactapata am nächsten Tag. Unsere Wahl fällt überraschenderweise nicht auf den fahrenden Volltrunkenen, der uns Dumpingpreise verspricht, während seine Begleiterin auf dem Beifahrersitz stillt. Da Tag 4 des Salkantay normalerweise nicht der attraktivste ist, schließen sich Israeli Michael und Kanadierin Olivia unserer hikingwilligen deutsch-dänischen Truppe an. Während der Rest Disco-Abend am Lagerfeuer feiert, verziehen wir uns zeitig in die Betten.

Um 5 Uhr treten wir sechs + Nico für Porridge-Pancake-Kakao-Frühstück an. Um 5.30 Uhr fährt uns der gecharterte Minibus zum Startpunkt des legendären Camino del Inka, auf den wir einen Abstecher machen. Zwei anstrengende Stunden bergauf später stehen wir fasziniert auf dem Plateau der Inkastadt Llactapata, von wo man unser ersehntes Ziel, Machu Picchu, weit entfernt auf der anderen Seite des Canyon sehen kann. Der schweißtreibende Abstieg wird mit einer Erfrischung durch einen malerisch aus dem Berg tretenden Wasserfall belohnt. In Hydro Electrica (wieso mag das Dörfchen wohl so heißen?) treffen wir auf den Rest der Truppe, nach dem Lunch geht es drei Stunden entlang der befahrenen Bahnstrecke nach Aqua Calientes. Auf jeder der zahlreichen Brücken kommt ein „Stand By Me“-eskes Unwohlsein auf, der Sprung in den Fluss bleibt uns jedoch erspart. In Hot Water City gönnt uns der Veranstalter Doppelzimmer im „Oro Verde“, gemeinsam mit den Israelis und den Schweizer Mädels geben wir uns die namensgebenden mehr oder weniger heißen Thermalquellen.

Die Treppen nach Machu Picchu aus Aqua Calientes

Als wenn der Fußweg hoch zu Machu Picchu nicht schon gefürchtet genug ist, beginnt es zu regnen, als wir pünktlich um 4 Uhr den Fuß vor die Tür des Hostals setzen. Mit Kopflampen und Regenjacken ausgestattet, beginnt der einstündige Ausscheidungsclimb um die auf 400 limitierten Tickets für den Huayna Picchu, den Monsterberg mit der Postkartenaussicht auf die Inka-Stadt. Während Israeli Michael und Holländer Laurens um die begehrten Spitzenplätze mitrennen (Platz 2 und 6, Respekt!), begnügen wir uns mit einem Platz unter den ersten 40-50. Geschafft! In jeder Hinsicht! Wir warten auf die busfahrende Langschläferfraktion, die ebenfalls den begehrten Stempel für die zwei Besuchssessions (7-8 Uhr = meistens zu nebelig, deshalb 10-11 Uhr) ergattern können. (Außer am überfüllten Wochenende scheint es zumindest in der Nebensaison völlig überflüssig zu sein, sich im Dunkeln über die 1700-stufige Monstertreppe zu quälen. Der Bus für 8$ ist eine lohnenswerte Alternative.) Bevor Guide Nico uns verlässt, führt er uns noch zwei Stunden übers im Nebel liegende Machu Picchu. Es ist unglaublich, wie gut die riesige Inkastadt erhalten ist. Mit was für Werkzeug & Wissen diese Bauten erschaffen werden konnten, wird wohl nie ganz geklärt werden.

Nach einem Frühstückssnack, verewigen wir unsern Besuch per Stempel in unseren Reisepässen und machen uns auf zum Huayna Picchu. Eine erneut deftige Kletterpartie später verzieht sich pünktlich mit Ankunft auf der Spitze der Nebel und wir bestaunen Machu Picchu aus der Vogelperspektive. Wir durchstreifen die Ruinen und nehmen das Guard House mit seinem von Postkarten bekannten Ausblick als Hauptquartier. Die ansässigen Lamas zeigen sich von ihrer fotofreundlichen Seite und fungieren als ideales Motiv, wenn sie nicht gerade von enormen Verdauungsstörungen geplagt werden. Gegen 15 Uhr müssen wir uns von diesem heiligen Ort trennen und laufen alle 1700 Stufen auch wieder bergab. Wenn schon, denn schon. Wir belohnen uns mit Bier und Pizza, um 18.15 Uhr bringt uns Perurail zunächst nach Ollantaytambo, von wo wir nach einigem Hickhack und Drohanrufen bei der Agentur doch noch einen Bus finden, der uns zurück nach Gringo-City Cusco bringt.

Tag eins post Machu Picchu beschert uns ein ausgiebiges Frühstück beim Lieblings-Israeli, danach laufen wir nach und nach der halben Salkantay-Truppe über den Weg. Wir belohnen uns für die Anstrengungen mit teurem, aus Deutschland importiertem Vollkornbrot. Wenn irgendwas gut ist, dann das hier. Um 18 Uhr besteigen wir nach erfolgreich bewältigtem Check-In inklusive Gepäckkontrolle, Fingerabdrücken und Videoaufzeichnung (für die Identifikation im Falle restloser Verstümmelung???) den Bus der peruanischen Luxuscompany Cruz del Sur in Richtung Nasca.

 

Hier geht’s zu den Fotos vom Salkantay Trail und Machu Picchu.

 

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