China-Lowlight – Warum sich ein Besuch der Terrakottaarmee in Xi’an nicht lohnt


Die Terrakottaarmee in Xi’an – dieses vermeintliche Tourihighlight – fanden wir um ehrlich zu sein nicht wirklich beeindruckend. Die Pandas in Chengdu dafür sind umso toller…

Army Of Me

Xi’an, Chengdu – China
29. Mai – 2. Juni 2012

Terracotta Armee China Xi'an

Die erste Zugfahrt in einer 4er-Kabine im Deluxe Z-Train nach Xi’an überstehen wir gut. Wir hätten sicherlich auch noch besser geschlafen, wenn der chinesische Opi im Abteil nicht alle halbe Stunde auf die Toilette gemusst hätte und immer über uns china_02_xi'an_01drüberklettern musste (wir hatten die Betten unten). In Xi’an, einst Endpunkt der berühmten Seidenstraße, werden wir von unserem Hostel vom Bahnhof abgeholt. Unser Bett im Xiangzimen Youth Hostel sieht aus wie eine riesige Liegewiese – uns gefällt’s. Die Millionenstadt ist eine der wenigen Städte in China, in denen die alte Stadtmauer noch vollkommen intakt ist. Wir bestaunen das Südtor und erkunden dann Bell & Drum Tower sowie das Muslimische Viertel. In einem kleinen Straßenimbiss finden wir sogar vegetarisches Essen – steamed veggie-dumplings im Bambuskorb. Da uns weder die zig Shoppingcenter noch die vielen Fast Food-Ketten reizen, setzen wir uns in den Bus und fahren zur Big Goose Pagoda raus, dem Wahrzeichen Xi’ans. Abends schlagen wir uns die Bäuche im leckeren und günstigen „First Noodle under the Sun“-Restaurant mit Tofu, Nudeln und Auberginen voll.

Terrakottaarmee

TerrakottaArmee – wir waren enttäuscht

china_02_xi'an_18Mal wieder entscheiden wir uns gegen eine geführte Tour und nehmen den Linienbus (Nummer 306, 7 Yuan) zur berühmten Terrakottaarmee.  Nach der einstündigen Fahrt stellen wir mit Erstaunen fest, dass der vorher schon deftige Eintrittspreis von 90 mal eben auf 150 Yuan pro Person erhöht wurde, das sind immerhin fast 20 Euro. Zähneknirschend bezahlen wir und
verzichten dankend auf den Shuttle für weitere 5 Yuan zum Fundort der Untergrund-Figuren. Die 15 Minuten laufen wir lieber. Die Anlage wurde 1974 eher zufällig entdeckt, als Bauern versuchten, einen Brunnen zu graben und auf eine harte Erdschicht stießen. Bis heute haben Archäologen erst ein Viertel der Anlage freigelegt. Es ist nicht geklärt, ob Kaiser Qin Shi Huang im Jenseits weiterkämpfen wollte und einfach nur Schiss vor den Geistern der Unterwelt hatte, jedenfalls nahm er eine Terrakottaarmee von über 7000 Tonkriegern mit sich.

Wir schauen uns zunächst den einführenden Film an und betreten dann Grube Nummer 3. Wir fragen uns, ob wir uns verlaufen haben. Vor allem, als man in Grube 2 auch nicht wirklich mehr sehen kann als eine Ausgrabungsstätte. Gut, dass wir uns Grube 1 für den Schluss aufbewahrt haben. Dort stehen sie, die Terrakottaarmee und ihre Pferde. Etwas besänftigt, aber irgendwie doch enttäuscht machen wir uns auf den Rückweg nach Xi’an und nehmen abends den 16-stündigen Zug nach Chengdu. Wir sind zum ersten Mal im Hardsleeper-Abteil, das heißt ein Abteil mit zwei Dreier-Hochbetten. Die Liegen sind zwar bedeutend kleiner als die im Softsleeper, aber die Fahrt vergeht schneller als gedacht.

Pandas Chengdu

Pandas Chengdu

In Chengdu, Dreh- und Angelpunkt der Provinz Sichuan, lernen wir am Busbahnhof Finn (Fynntoin) aus Irland kennen und stellen fest, dass wir zum gleichen Hostel unterwegs sind. Das Mix Backpackers strahlt eine gemütliche Atmosphäre aus und über die Hälfte der Reisenden sind Chinesen, die mutig ihre paar englischen Wörter mit uns austauschen. Wir essen erstmal Falafel und Hummus im „Sultan“ und entdecken auf dem Stadtplan ein Shoppingcenter im Süden der Stadt mit Decathlon, Ikea und H&M. Wir fühlen uns fast ein bisschen wie zuhause! Abends regnet es in Strömen, so dass wir im Hostel bleiben und der Köchin ein großes Lob für ihre gebratenen Auberginen aussprechen. Am Tag des Kindes, ein nationaler Feiertag in China, begeben wir uns mit Finn zur Giant Panda Breeding Research Base. Über 50 schwarz-weiße und rote Panda sind mittlerweile in dem Park zuhause, der gegründet wurde, um das Weiterbestehen der vom Aussterben bedrohten Bären zu Red Panda Chinasichern. Wenn überhaupt, sind die faulen Viecher eher morgens aktiv und so können wir die Pandas beim Bambusfuttern, Spielen und Relaxen beobachten. Wirken sie beim Puhlen der Bambussticks äußerst geschickt, kippen sie bei der Fortbewegung immer wieder zur Seite oder lassen sich Hänge herunterrollen. Ein lustiges Schauspiel – und wir haben mindestens genauso viel Spaß wie die vielen Kinder. Die roten Pandas kommen uns auf dem Rundgang durch den Park sogar auf den Wegen entgegen und lassen sich bereitwillig fotografieren.

Chengdu

Den restlichen Tag verbringen wir in Chengdu, laufen zum Tianfu Square mit riesiger Mao-Statue und beobachten das Treiben im beliebten People’s Park (und werden dabei wieder einmal mit großen Augen, aber freundlich, von den locals beobachtet). Spontan schmeißen wir unseren Plan für die nächsten Tage über den Haufen. Statt einer Fahrt auf dem Jangtze-Fluss (zu teuer, klingt auch nicht so spannend) wollen wir direkt nach Shanghai fahren, das heißt, einmal quer durchs Land. Wir haben großes Glück und bekommen noch zwei Betten im Hardsleeper-Abteil für den kommenden Tag. 29 Stunden Zugfahrt warten auf uns, juhu! Bevor wir Chengdu verlassen, verbringen wir noch einen unterhaltsamen Abend mit Finn und drei Kiwis aus Dunedin bei einigen Tsing-Tao-Bier.

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