Minentour in Potosi – Wenn Du Dynamit am Kiosk kaufen kannst

Bus nach Potosi

Du bereist Bolivien? Dann mach Dich auf den Weg nach Potosi und erlebe das beklemmende Leben der Minenarbeiter hautnah….und vergiss nicht, vor der Minentour noch Dynamit am Kiosk zu kaufen!

You Could Be Mine
Potosi, Bolivien // 5. – 7. April 2011

Morgens um acht einen vegetarischen Snack auf einem bolivianischen Markt zu finden, ist schwerer als gedacht. Hennings einzige Ausbeute besteht aus einer Tüte Coca-Blätter, als er zum bereits wartenden Bus gehetzt kommt. Soll ja den Appetit hemmen, außerdem ist es gut gegen die Höhe. Während andere Gringos in High-End Busse mit Scorpion-King-Airbrush steigen, residiert unser Gefährt am Ende der bolivianischen Transportnahrungskette.

So wundern wir uns nicht, als der junge Beifahrer bereits nach einer halben Stunde Schotterpiste besorgt aus dem Fenster starrt und kurz darauf der Reifen zum ersten Mal gewechselt werden muss. Als wir zwei Stunden später einen kurzen Lunch einnehmen, ist die „11 de Julio“-Crew schon wieder mit dem Wagenheber zu Gange. „Aber wir haben doch nur einen Ersatzreifen“, denken wir uns, und werden in unserer Vermutung bestätigt, als wir beim Wiedereinstieg sehen, dass wir ab sofort wieder auf dem alten Platten fahren. Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, halten wir ein weiteres Mal, um diesmal unter den wachsamen Augen einiger Lamas im bolivianischen Niemandsland andere Busse anzuhalten und um milde, runde Gaben aus Hartgummi zu bitten. Am außerhalb gelegenen Busterminal Potosi gabelt uns Ephraim auf, der uns die Minentour seiner Company „The Real Deal“ empfiehlt und uns in ein Taxi Richtung Zentrum verfrachtet. Wir lassen die luxuriöseren der Herbergen der Stadt links liegen und entscheiden uns fürs Hostal Felimar, das in Sachen Preis/Leistungsverhältnis durchaus angemessen ist. Da Andreas Magen immer noch ordentlich rebelliert, begeben wir restlichen drei uns auf Streifzug durch Potosi, das mit den Titeln „höchste Stadt der Welt ihrer Größe“ und Unesco-Weltkulturerbe angeben kann. Wir verfolgen die Demütigung Mailands durch die Ückendorfer im Fernsehen, bevor wir abends im Koala-Café vegetarisch (4-Gänge Menü für 35 Bolivianos=3,50€) essen.
Potosi Mine DynamitNach dem Frühstück buchen wir bei „The Real Deal“ für den Nachmittag, bevor wir im Internetcafé die besorgte Homebase über unser Wohlergehen informieren, während in der Spielhalle gegenüber gestylte Emo-Kids zu Rammstein und Fall Out Boy abhängen. Erster Stop der nachmittäglichen Tour ist der Miner’s Market, wo wir Mitbringsel für die Bergleute organisieren. Unsere Wahl fällt auf Coca, Dynamit und 96%igen Alkohol, hier alles frei verkäuflich. Wir schmeißen uns in unsere Schutzanzüge und fahren in Richtung Cerro Rico. Die Kopflampen unser Schutzhelme werden angeknipst und schon geht es hinein ins düstere Minenlabyrinth. Unser Guide Reinaldo war früher selbst Miner, bevor er sich der Gesundheit zu Liebe selbstständig machte. Anstelle von staubigen 48 Stunden die Woche bei bis zu 40 Grad, begnügt er sich nun Mine Potosimit zwei Stunden pro Tour. Wir beglücken die Belegschaft mit unseren Geschenken und hören Schicksale wie das des bereits seit 38 Jahren in der Mine arbeitenden „Witch Doctors“, der uns (nicht ganz nüchtern?) die Zukunft aus Coca-Blättern liest. Maschinen gibt es hier nicht, tonnenschwere Loren werden in Handarbeit geschoben, die abgebauten Erze werden manuell in die Höhe gezogen. Enge Passagen, die wir nur auf allen Vieren bewältigen können, lösen Beklemmungsanfälle aus, die staubige Luft nach Sprengungen lässt uns nicht wirklich zum Durchatmen kommen. Wer von uns nach zweieinhalb Stunden nicht froh über Tageslicht ist, lügt. Allen Respekt für die hart arbeitenden Miner! Nach einer Stippvisite in der Verarbeitungsanlage kriegen wir dürftiges Dinner im „Real Meal Café“.
Am nächsten Tag shoppen wir noch reichlich Veggie-Empanadas für unschlagbare 1 Boli pro Stück, bevor wir uns zum neu gebauten Busterminal karren lassen. Wo wir 2Bs Eintritt für das Gebäude im Ufo-Look löhnen dürfen. Die Buscompanies reißen sich um uns und verfrachten uns innerhalb von anderthalb Minuten in den Bus in Richtung Hauptstadt aka Ciudad Blanca aka Sucre.